Alkoholismus erkennen- sich selbst verstehen

Alkoholismus erkennen


Medizinische Autoritäten auf der ganzen Welt erkennen Alko-
holismus als Krankheit an, die zum Stillstand gebracht, aber
nicht geheilt werden kann. Eines ihrer Anzeichen ist ein unkon-
trolliertes Verlangen zu trinken. Alkoholismus ist eine fortschrei-
tende Krankheit. Solange Alkoholiker weitertrinken, wird ihr
Drang zum Trinken schlimmer. Wenn die Krankheit nicht aufge-
halten wird, kann sie in Wahnsinn oder Tod enden. Die einzige
Methode, den Alkoholismus aufzuhalten, ist vollkommene
Abstinenz.

Ein Alkoholiker bleibt sein Leben lang Alkoholiker. Die mei-
sten Fachleute stimmen darin überein, dass Alkoholiker sogar
nach Jahren der Nüchternheit nie wieder kontrolliert trinken
können.

Es gibt heute durchaus wirksame Wege, den Alkoholismus
anzugehen. Der Weg der Anonymen Alkoholiker ist der be-
kannteste und wird weithin als der erfolgreichste angesehen,.
Alkoholismus ist kein hoffnungsloser Zustand mehr, vorausge-
setzt, der Erkrankte erkennt ihn und unternimmt etwas dagegen.

Jeder kann Alkoholiker werden ...

Nur etwa 3 bis 5 der Alkoholiker sind Landstreicher oder "Pen-
ner'. Der Rest hat Familie, Freunde und Arbeit und kommt ganz
gut zurecht. Aber ihr Trinken beeinträchtigt einige Bereiche ihres
Lebens. Ihr Familienleben, ihre gesellschaftliche Stellung oder
ihre Arbeit mögen darunter leiden, möglicherweise alle drei. Ein
Alkoholiker ist jemand, dessen Trinken ein fortschreitendes und
wachsendes Problem in jedem Bereich seines Lebens darstellt.
Alkoholiker trinken, weil sie denken, sie müssten trinken.

Sie benutzen den Alkohol als Krücke und als Flucht. Sie leiden
unter seelischen Qualen und trinken, um diese zu betäuben.
Schließlich werden sie vom Alkohol so abhängig, dass sie über-
zeugt sind, ohne Alkohol nicht mehr leben zu können.
Das ist Besessenheit.

Wenn mancher Alkoholiker versucht, ohne Alkohol auszu-
kommen, sind die Entzugserscheinungen so überwältigend,
dass er wieder trinkt; denn Trinken scheint der einzige Weg zu
sein, sich von der Qual zu befreien.
Das ist Sucht.
Die meisten Alkoholiker möchten gerne normal trinken können.
Sie verwenden viel Zeit und Mühe auf den Versuch, ihr Trinken



zu kontrollieren, um ebenso wie andere trinken zu können. Viel-
leicht versuchen sie, nur am Wochenende zu trinken oder bei
einer Sorte Alkohol zu bleiben. Aber sie können nie sicher sein,
mit dem Trinken dann aufhören zu können, wenn sie es wollen.
Am Ende betrinken sie sich doch, auch wenn sie sich geschwo-
ren haben, es nicht zu tun.
Das ist Zwang.

Es liegt in der Natur der Krankheit, dass die Betroffenen
nicht glauben, krank zu sein. Die Hoffnung auf Genesung be-
ruht darauf, erkennen zu können, dass sie Hilfe brauchen, den
Wunsch zu haben, mit dem Trinken aufzuhören und auf der
Bereitschaft zuzugeben, dass sie nicht aus eigener Kraft mit
dem Trinken fertig werden.

Sich selbst verstehen

Alkoholismus ist eine Familienkrankheit. Zwanghaftes Trinken
betrifft den Trinker und alle seine Beziehungen. Freundschaften,
Arbeitsplatz, die Kind-Eltern-Beziehung, Liebesverhältnisse,
Ehen - alles leidet unter dem Einfluss des Alkoholismus. Die
engsten Beziehungen werden am meisten beeinträchtigt, und
die Engagierten leiden am stärksten. Sie reagieren auf das Ver-
halten des Alkoholikers. Sie sehen, dass das Trinken überhand
nimmt und versuchen, es zu beeinflussen. Sie schämen sich
wegen der öffentlichen Auftritte, aber zu Hause versuchen sie,
damit fertig zu werden. Es dauert nicht lange, bis sie sich schul-
dig fühlen, und sie nehmen die Verletzungen, die Ängste und
die Schuld eines Alkoholikers auf sich. Sie werden auch krank.

Diese wohlmeinenden Menschen fangen an, die Gläser zu
zählen, die der andere trinkt. Sie gießen teure Spirituosen in
den Ausguss; sie durchsuchen das Haus nach verborgenen Fla-
schen und spitzen die Ohren, um ja nicht das Geräusch des
Flaschenöffners zu überhören. All ihr Denken ist darauf ausge-
richtet, was der Alkoholiker tut oder nicht tut, und wie sie ihn
dazu bringen können, mit dem Trinken aufzuhören.
Das ist ihre Besessenheit.

Zusehen, wie sich andere langsam selbst durch Alkohol
umbringen, ist qualvoll. Während der Alkoholiker sich nicht um
die Rechnungen, den Arbeitsplatz, die Kinder, seinen Gesund-
heitszustand zu kümmern scheint, fangen die Menschen um
ihn herum an, sich zu sorgen. Sie machen den Fehler, ihn zu
decken. Sie bringen alles in Ordnung, finden für ihn
Entschuldgungen, erzählen kleine Lügen, um gestörte Bezie-



hungen zu reparieren, und kümmern sich um einiges mehr.
Das ist ihre Bedrängnis.

Früher oder später verärgert das Verhalten des Alkoholi-
kers die Menschen in seiner Umgebung. Sie erkennen, dass
der Alkoholiker seine Verantwortung nicht übernimmt, Lügen
erzählt und sie ausnutzt. Sie fangen an zu glauben, dass der
Alkoholiker sie nicht liebt und möchten zurückschlagen, ihn
strafen, ihn bezahlen lassen für die Verletzungen und Enttäu-
schungen, die er durch sein unkontrolliertes Trinken verursacht.
Das ist ihre Wut.

Die dem Alkoholiker Nahestehenden fangen an zu heu-
cheln, sie nehmen Versprechen ab, sie glauben jedesmal, wenn
eine "trockene" Phase eintritt, dass jetzt die Probleme vorüber
wären - oder möchten es gerne glauben. Auch wenn ihnen der
gesunde Menschenverstand sagt, dass da etwas mit dem Trinken
und Denken des Alkoholikers nicht stimmt, verbergen sie noch,
was sie fühlen und was sie ahnen.
Das ist ihr Leugnen.

Die vielleicht schwerwiegendste Schädigung bei denen, die
einen Teil ihres Lebens mit einem Alkoholiker gemeinsam ver-
bracht haben, zeigt sich in Form der quälenden Gedanken, dass
sie irgendwie schuld sind: sie waren all dem nicht gewachsen,
nicht attraktiv genug, nicht klug genug, um dieses Problem für
den Menschen, den sie lieben, zu lösen. Sie denken, es lag
daran, dass sie etwas taten oder unterließen.
Das sind ihre Schuldgefühle.

Wir, die nun zu AI-Anon gefunden haben, haben oft genau-
so in Verzweiflung gehandelt, unfähig an die Möglichkeit einer
Änderung zu glauben, unfähig so wie bisher weiterzumachen.
Wir fühlten uns von einem geliebten Gefährten betrogen, nie-
dergedrückt von der Verantwortung, unerwünscht, ungeliebt von
allen. Einige von uns sind sogar überheblich, selbstgefällig,
selbstgerecht und herrschsüchtig, aber wir kommen, weil wir
eines wünschen und brauchen: HILFE.

Obwohl uns das Verhalten eines befreundeten Alkoholikers,
Ehegatten oder Kindes zu AI-An on gebracht hat, erfahren wir
bald, dass wir unser eigenes Denken ändern müssen, bevor
wir eine neue und positive Einstellung zu unserem Lebens-
problem finden.

In AI-Anon lernen wir, uns mit unserer Besessenheit, unse-
rer Bedrängnis, unserer Wut, unserem Leugnen und unseren



Schuldgefühlen auseinander zusetzen. Durch die Gruppe er-
leichtern wir unsere seelische Last, indem wir unsere Erfah-
rung, Kraft und Hoffnung mit anderen teilen. Stück um Stück
erkennen wir durch unsere Meetings, dass viele unserer Schwie-
rigkeiten durch unsere Einstellung entstehen.

Wir ändern diese Einstellung, lernen die Verantwortung für
uns selbst zu tragen, entdecken ein neues Selbstwertgefühl,
eine neue Art zu lieben und beginnen geistig zu wachsen. Der
Schwerpunkt unseres Denkens wird vom Alkoholiker weg und
dorthin verlagert, wo wir wirklich Macht haben: auf unser eige-
nes Leben.
Wie Sie sich selbst helfen können
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Leben durch das Trinken
eines anderen stark betroffen ist, sind Sie in einem AI-Anon
oder Alateen Meeting willkommen. Dort können Sie sich auf
persönliche Art und Weise selbst entwickeln.

Original "Understanding Ourselves and Alkoholism" Al-Anon Family Groupes

 

Geischtigi Zwipf

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